Belastbare Prüfergebnisse beginnen bei der Methodeneignung
Wie zuverlässig bildet eine Prüfmethode das konkrete Medizinprodukt ab?
Quantitative Prüfungen liefern Zahlen. Doch bevor aus einem Messwert eine belastbare Aussage wird, muss eine entscheidende Frage geklärt sein:
Wie zuverlässig kann die eingesetzte Prüfmethode den relevanten Parameter am konkreten Produkt tatsächlich erfassen?
Material, Oberfläche, Geometrie und Aufbau eines Medizinprodukts können beeinflussen, wie gut Mikroorganismen, Endotoxine oder Partikel aus beziehungsweise von einem Produkt zurückgewonnen und anschließend nachgewiesen werden können. Genau deshalb reicht es bei vielen Fragestellungen nicht aus, lediglich eine etablierte Analysenmethode anzuwenden. Auch die Eignung von Probenvorbereitung, Extraktion und Nachweis für das konkrete Produkt muss berücksichtigt werden. Die Methodeneignung schafft damit eine wichtige Grundlage für die Frage:
Wie belastbar ist der ermittelte Messwert für genau dieses Produkt?
Warum ist die Methodeneignung bei Medizinprodukten produktspezifisch?
Ein Prüfverfahren kann analytisch etabliert sein und sich bei unterschiedlichen Produkten dennoch unterschiedlich verhalten. Ein glattes Bauteil kann bei einer Extraktion andere Eigenschaften zeigen als ein poröses Material. Auch komplexe Geometrien, Beschichtungen, Schlauchsysteme oder besondere Oberflächen können beeinflussen, wie gut ein zu untersuchender Parameter zurückgewonnen wird. Deshalb betrachten wir nicht nur die eigentliche Analyse, sondern auch:
Wie gut lässt sich der relevante Parameter aus oder von genau diesem Produkt zurückgewinnen und zuverlässig bestimmen?
Bei der Bestimmung des Bioburden wird dieser Zusammenhang beispielsweise über die Wiederfindung beziehungsweise Recovery Efficiency berücksichtigt. Auf Grundlage der ermittelten Wiederfindung kann ein produktspezifischer Korrekturfaktor bestimmt werden, mit dem eine unvollständige Rückgewinnung bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt wird.
Auch bei anderen quantitativen Prüfungen, beispielsweise im Bereich Endotoxine oder Partikel, ist die produktspezifische Eignung der jeweiligen Vorgehensweise relevant. Je nach Prüfverfahren und Fragestellung untersuchen wir deshalb, ob Probenvorbereitung, Extraktion und Nachweis für das jeweilige Produkt geeignet sind. Dabei geht es nicht darum, für jedes Produkt automatisch eine vollständig neue Methode zu entwickeln. Es geht darum, nachzuweisen, dass die gewählte Methode für das konkrete Produkt eine belastbare Aussage ermöglicht.
Erfahrung aus mehr als 200 produktspezifischen Validierungen
Produktspezifische Methodeneignung ist für uns keine Ausnahme, sondern ein fester Bestandteil unserer Laborpraxis.
In den vergangenen Jahren haben wir mehr als 200 produktspezifische Validierungen durchgeführt.
Diese Erfahrung zeigt immer wieder, wie unterschiedlich Produkte auf vermeintlich gleiche Prüfbedingungen reagieren können. Materialien, Geometrien, Oberflächen, Beschichtungen oder Produktzusammensetzungen können die Wiederfindung und damit auch die Aussagekraft einer quantitativen Prüfung beeinflussen.
Unsere Erfahrung aus zahlreichen Validierungen hilft uns dabei,
- mögliche Einflussfaktoren frühzeitig zu erkennen,
- geeignete Extraktions- und Prüfbedingungen festzulegen,
- produktspezifische Besonderheiten in die Prüfplanung einzubeziehen und
- gemeinsam mit unseren Kunden eine belastbare Methodik zu entwickeln.
So entsteht nicht lediglich ein Messwert. Es entsteht ein Prüfergebnis, dessen Aussagekraft für das konkrete Produkt nachvollziehbar abgesichert ist.
Was bedeutet ein Korrekturfaktor bei der Bioburden-Prüfung?
Bei der mikrobiologischen Bestimmung des Bioburden ist die vollständige Rückgewinnung aller vorhandenen Mikroorganismen aus beziehungsweise von einem Produkt in der Praxis nicht immer möglich. Material, Oberflächenstruktur oder Geometrie können beispielsweise beeinflussen, welcher Anteil der vorhandenen Mikroorganismen durch das gewählte Extraktionsverfahren tatsächlich erfasst wird. Deshalb wird im Rahmen der Methodeneignung die Wiederfindung beziehungsweise Recovery Efficiency untersucht. Aus diesen Ergebnissen kann ein produktspezifischer Korrekturfaktor abgeleitet werden. Dieser berücksichtigt, dass die analytisch ermittelte Keimzahl nicht zwangsläufig der gesamten tatsächlich vorhandenen mikrobiologischen Belastung entspricht. Der Korrekturfaktor ist damit keine pauschale Größe für ein Prüfverfahren. Er steht immer im Zusammenhang mit dem betrachteten Produkt und der dafür eingesetzten Methodik.
Können Material und Produktgeometrie die Wiederfindung beeinflussen?
Ja! Und genau deshalb ist die produktspezifische Betrachtung so wichtig.
Eine glatte und gut zugängliche Oberfläche kann sich anders extrahieren lassen als ein poröses oder stark strukturiertes Material. Auch schwer zugängliche Bereiche, Innenflächen, komplexe Geometrien oder besondere Beschichtungen können Einfluss auf die Wiederfindung haben.
Damit können scheinbar kleine Produktunterschiede auch für die Methodeneignung relevant werden. Für die Prüfplanung bedeutet das: Nicht nur die analytische Methode selbst muss funktionieren. Auch die Überführung des relevanten Parameters vom Produkt in das Prüfsystem muss für die konkrete Anwendung geeignet sein. Genau diese Schnittstelle zwischen Produkt und Analytik betrachten wir bei produktspezifischen Validierungen besonders genau.
Wann sollte die Methodeneignung nach einer Produktänderung erneut betrachtet werden?
Auch eine bereits etablierte und validierte Methode sollte nicht vollständig losgelöst vom Produkt betrachtet werden. Wird beispielsweise
- ein Material ausgetauscht,
- eine Oberfläche verändert,
- eine Beschichtung ergänzt,
- die Geometrie angepasst,
- eine produktberührende Komponente ersetzt oder
- ein Herstellungsprozess verändert,
kann sich dadurch auch das Extraktions-, Wiederfindungs- oder Nachweisverhalten verändern. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine bestehende Methode anschließend ungeeignet ist. Eine relevante Produkt- oder Prozessänderung kann jedoch die Frage aufwerfen, ob die bisherige Methodeneignung weiterhin auf die neue Variante übertragbar ist. Gemeinsam mit unseren Kunden betrachten wir deshalb, welche Auswirkungen eine Veränderung auf die bestehende Prüfmethodik haben könnte und ob ergänzende Untersuchungen beziehungsweise eine erneute produktspezifische Betrachtung sinnvoll sind.
Die entscheidende Frage lautet dabei:
Liefert unsere etablierte Prüfmethode für das veränderte Produkt weiterhin eine vergleichbar belastbare Aussage?
Methodeneignung bei Bioburden, Endotoxinen und Partikeln
Die konkrete Vorgehensweise zur Methodeneignung hängt immer vom jeweiligen Prüfverfahren ab. In unserem BioLabs führen wir u.a. akkreditierte Prüfungen im Bereich Bioburden, Endotoxine und Partikel durch. Dabei betrachten wir produktspezifisch, welche Einflussfaktoren für die jeweilige Methode relevant sind.
Bioburden
Bei der Bioburden-Bestimmung spielt insbesondere die Wiederfindung von Mikroorganismen eine zentrale Rolle. Über die Recovery Efficiency lässt sich bewerten, wie effizient das gewählte Verfahren die mikrobiologische Belastung des Produktes erfasst und welcher Korrekturfaktor gegebenenfalls berücksichtigt werden muss.
Endotoxine
Bei der Endotoxinprüfung ist unter anderem entscheidend, dass das gewählte Vorgehen für das jeweilige Produkt geeignet ist und mögliche produktspezifische Einflüsse (sog. Störfaktoren) auf die Prüfung berücksichtigt werden.
Partikel
Auch bei Partikelprüfungen kann die Probenvorbereitung bzw. Extraktion entscheidenden Einfluss darauf haben, welche und wie viele Partikel tatsächlich erfasst und anschließend bestimmt werden.
Die zugrunde liegende Frage bleibt bei allen Verfahren dieselbe:
Ist die gewählte Methodik geeignet, für dieses Produkt eine belastbare Aussage zu erzeugen?
Unser Lösungsansatz: Nicht nur messen, sondern die Messung absichern
Eine produktspezifische Validierung beginnt für uns mit dem Verständnis des Produktes und der späteren Prüfung. Abhängig von Produkt und Prüfverfahren betrachten wir u.a.:
- geeignete Extraktions- und Probenvorbereitungsverfahren,
- die Wiederfindung des zu untersuchenden Parameters,
- mögliche Einflüsse von Material, Oberfläche und Geometrie,
- geeignete Prüfbedingungen für das konkrete Produkt,
- erforderliche Korrekturfaktoren beziehungsweise produktspezifische Einflussgrößen und
- mögliche Auswirkungen von Produkt- oder Prozessänderungen auf eine bestehende Methodik.
Dabei greifen wir auf etablierte Verfahren, unser akkreditiertes Prüfsystem und die Erfahrung aus mehr als 200 produktspezifischen Validierungen zurück.
Wo Standardansätze für eine konkrete Fragestellung nicht ausreichen, können Vorgehensweisen angepasst und gemeinsam mit unseren Kunden geeignete Prüfstrategien entwickelt werden. Dabei profitieren unsere Kunden auch von der engen Zusammenarbeit unserer biologischen Labore mit Entwicklung und Beratung.
Ihr Nutzen: Messwerte, deren Aussagekraft nachvollziehbar abgesichert ist
Ein analytisches Ergebnis ist nur dann wirklich wertvoll, wenn bekannt ist, wie zuverlässig die verwendete Methode den relevanten Parameter am konkreten Produkt erfasst. Produktspezifische Validierungen und Untersuchungen zur Methodeneignung helfen dabei,
- die Aussagekraft quantitativer Prüfergebnisse abzusichern,
- produktspezifische Einflüsse auf die Wiederfindung zu erkennen,
- geeignete Extraktions- und Prüfbedingungen festzulegen,
- Korrekturfaktoren fachlich nachvollziehbar zu bestimmen,
- Produktänderungen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf eine bestehende Methodik zu bewerten und
- Prüfergebnisse nachvollziehbar zu dokumentieren.
Damit steht am Ende nicht nur eine Zahl.
Es steht ein Ergebnis, bei dem nachvollziehbar ist, wie diese Zahl für das konkrete Produkt zustande gekommen ist und welche Aussage daraus abgeleitet werden kann.
Denn ein belastbarer Messwert beginnt nicht erst bei der Analyse – sondern bei der Frage, ob die Methode zum Produkt passt.
Ihre Ansprechpartnerin
Dr. Katrin Sulzer
Head of BioLabs
senetics healthcare group GmbH & Co. KG
Hardtstraße 16, 91522 Ansbach
Tel.: +49 981 9724 795-0
E-Mail: biolabs@senetics.de